Zeit ist Geld

Lisa Srikiow © Der Journalist 8/2012

Zahlreiche Stiftungen und Organisationen bieten Recherchestipendien an. Gerade Freiberufler können so eigene Ideen verwirklichen und mal tiefer in ein Thema einsteigen – ganz ohne finanzielles Risiko. Bislang nutzen das allerdings nur wenige Journalisten.

Fast hätte er seine Idee unter Wert verkauft. Vor zwei Jahren recherchierte Marvin Oppong, wie Auftrags-PR die deutschen Seiten der Online-Enzyklopädie Wikipedia beeinflusst. Eigentlich war der Plan des 30-Jährigen, einen kleineren Artikel daraus zu machen. Ein Kollege ermunterte ihn, sich für ein Recherchestipendium zu bewerben, da sich aus dem Thema viel mehr machen lasse. Also schrieb der Journalist aus den Ergebnissen seiner Vorrecherchen ein Exposé und stellte den Bewerbungsantrag. Mit Erfolg: Eines der drei ausgeschriebenen Stipendien ging an ihn, und er setzt sich seitdem intensiv mit dem Thema Wikipedia auseinander.

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Die Mitmach-Gesellschaft

Lisa Srikiow © Das Parlament, Nr. 34-36 2013

Freiwillige sind eine wichtige Stütze – brauchen aber auch selbst Unterstützung

Wenn sich Bürger engagieren, ist das von politischer Seite immer gern gesehen. Es gibt wohl keinen Politiker, der nicht ein paar lobende Worte über die ehrenamtlichen Helfer verlieren würde. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nennt das Engagement eine „Bereicherung“, der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier, hält es für „unverzichtbar“ und Bundespräsident Joachim Gauck zählt die Begegnungen mit Ehrenamtlichen zu „seinen schönsten Erlebnissen“. Tatsächlich tut es jeder dritte Deutsche – er engagiert sich für einen bestimmten Zweck. Die Zahl der Freiwilligen ist seit Jahren konstant, dennoch verändert sich das bürgerschaftliche Engagement stark – gleichzeitig ist es durch die hohen Erwartungen aller Betroffenen politisch sehr aufgeladen. Was bedeutet das für uns?

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Digitale Schule in Dänemark: Schlagt die Rechner auf!

Von Lisa Srikiow  © SPIEGEL ONLINE, 3. 10. 2012

Digital ist besser, findet die Leitung des Ørestad-Gymnasium in Kopenhagen. Seit dem neuen Schuljahr wird der erste Jahrgang vollkommen ohne Papier unterrichtet, stattdessen nutzen die Schüler ihre Laptops. iPads haben die Schüler entnervt zurückgegeben.

Bücher oder Hefte, selbst Stifte sind im Klassenzimmer nicht zu sehen. Alles, was die 26 Schüler des Mathematikkurses am Ørestad-Gymnasium brauchen, sind Kopfhörer und Laptops, auf denen sie sich ein kurzes Erklärvideo mit der heutigen Lektion ansehen.

Die digitale Dozentin erläutert darin lineare Funktionen, während Mathe-Lehrer Ali Qais den Beamer einschaltet. Er möchte mit den Schülern noch eine Beispielaufgabe lösen, bevor sie selbstständig mit ihrer Mathematik-Software arbeiten.

An das Computerprogramm müssen sich die Gymnasiasten noch gewöhnen. Dabei passt der digitalisierte Unterricht zum Schulkonzept der staatlichen Schule in Kopenhagen. Die Jugendlichen sollen lernen, selbst die Initiative zu ergreifen. Das jüngstes Projekt hat in Dänemark für besondere Aufmerksamkeit gesorgt: Die Schule will zu 100 Prozent digital werden.

Laptop? Hat doch jeder

Qais Klasse ist die erste, die an dem Experiment teilnimmt. Weil dänische Kinder die ersten neun Schuljahre zunächst gemeinsam auf die Folkeskole gehen und dann erst auf ein Gymnasium wechseln können, sind die meisten Schüler bereits zwischen 16 und 19 Jahre alt.

Egal ob Unterricht, Hausaufgaben oder Klassenarbeiten – Ravi Pal Singh, 16, erledigt inzwischen alles an seinem Laptop. Mit der Software kommt Ravi gut klar, mühelos passt er mit ein paar Klicks die Größe des Graphen an. Dieser Komfort ist jedoch nicht der größte Vorteil für ihn: „Für mich zählt vor allem, dass ich weniger schleppen muss – und trotzdem immer alles dabei habe.“

Gesponsert werden die digitalen Klassen nicht, weder durch die Regierung noch durch große Unternehmen. Die Schüler müssen ihre Laptops selbst bezahlen. Wer sich keinen eigenen Computer leisten kann, hat die Möglichkeit, sich bei einem Hilfsfonds der Schule zu bewerben. Für das Unterrichtsmaterial, also eBooks, Software-Lizenzen oder die Nutzung einer Mediendatenbank, kommt die Schule auf. Sie zahlt dabei etwa 40 Euro pro Schüler im Jahr. In drei Jahren soll die ganze Schule ohne Bücher und Papier arbeiten.

„Wir haben uns nicht bloß mit modernen Geräten ausstatten lassen“

Ravis Mitschüler haben inzwischen den Klassenraum verlassen, um ihre Mathe-Aufgaben zu bearbeiten. Im Ørestad Gymnasium sollen die Jugendlichen aufeinander zugehen und sich gegenseitig inspirieren. Deshalb gibt es kaum geschlossenen Räume, sondern viel Platz, damit sie sich frei bewegen können.

Kein Wunder also, dass die 2005 eröffnete Schule sehr beliebt ist. Wer auf das Gymnasium darf und wer nicht entscheidet eine Kommission der Stadt. In diesem Jahr mussten 100 Schüler abgelehnt werden, mit 1200 Schulkindern hat das Gymnasium seine Grenze erreicht.

Die Arbeitsatmosphäre hat mit den meisten Schulen in Deutschland wenig gemein: Die Schüler arbeiten an Tischgruppen oder Sofaecken, die im ganzen Gebäude verteilt sind, die Arbeitsformen wechseln ständig. Mal beschäftigen sie sich allein, mal lösen sie die Aufgaben in Gruppen. Frontalunterricht gibt es fast gar nicht. „Für uns sind die Laptops deshalb ein sinnvolles Unterrichtsmittel“, sagt Schulleiter Allan Kjær Andersen. „Außerdem glauben wir, dass die Lernprozesse und das Unterrichtsmaterial für die Schüler so interessanter werden.“

Tatsächlich kann sich jeder Schüler sein eigenes Lerntempo aussuchen: Ob er sich das Tutorial am Laptop nun ein- oder fünfmal ansieht, ist ihm überlassen. Das Material für das Software-Programm haben die Lehrer jeder Fachrichtung über fünf Jahre gesammelt und versucht, die Übungsaufgaben an die Lebenswelt der Schüler anzupassen. Lehrer Qais rechnet mit ihnen zum Beispiel die günstigsten Handytarife aus. „Wir haben beim Inhalt angefangen und uns nicht bloß mit modernen Geräten ausstatten lassen“, sagt Schulleiter Andersen.

iPads waren ungeeignet

Einen kleinen Rückschlag musste das Gymnasium bei seiner digitalen Offensive bereits hinnehmen: Sechs Monate lang testeten zwei Klassen im Unterricht iPads. „Wir dachten, die Schüler würden ganz aus dem Häuschen sein wegen der Tablets – allerdings stellte sich heraus, dass sie ihre normalen Laptos bevorzugen“, sagt Andersen. Mikael Hangbølle, 17, erinnert sich: „Mit dem iPad kann man kaum schreiben. Jedes Mal, wenn wir einen längeren Text verfassen sollten, wurde es schwierig.“ Außerdem funktionierte die Mathe-Software auf den schicken Tablets nicht. Die Ørestad-Schule packte die Computer wieder in die Schublade.

Für Qais bedeutete der Unterricht mit Computern zunächst einmal mehr Arbeit. Bis sich jeder mit der Software zurechtfand, dauerte es in der Klasse einige Zeit. Inzwischen ist er von dem neuen Unterrichtskonzept überzeugt und empfindet sich mehr als Berater, der seine Schüler individuell unterstützt. „Durch die Digitalisierung rede ich viel mehr mit den Schülern. So erkenne ich gleich, ob sie den Rechenweg verstanden haben“, sagt Qais. Er ist davon überzeugt, dass die Rolle des Lehrers sich in den nächsten Jahren überall so entwickeln wird.

Facebook lenkt noch ab

Allerdings ist persönliche Eins-zu-Eins-Betreuung für Qais auch eine wichtige Möglichkeit, sicherzugehen, dass seine Schüler bei der Sache bleiben. Alle Rechner am Schulnetzwerk haben freien Zugang zum Internet, die Lehrer müssen also permanent sicherstellen, dass die Schüler nicht ziellos surfen. „Die Versuchung ist groß, vor allem durch Facebook“, sagt Mikael. Auch im Qais‘ Mathe-Kurs gucken die Schüler immer wieder auf ihre Profile in dem sozialen Netzwerk. Dagegen helfe nur, den Unterricht anders zu organisieren, erklärt Qais. Die Schüler müssten sich gegenseitig kontrollieren, eng getaktete Abgabetermine sollen dabei helfen.

Schulleiter Andersen vertraut außerdem auf die Reife der jungen Erwachsenen. Für Grundschulen seien iPads oder Computer aus dem Grund auch kaum geeignet, findet Andersen. Bei allem Hightech am Ørestad-Gymnasium steht eins fest: Lineare Funktionen bleiben für Mathe-Schüler komplizierter Stoff – auch mit allgegenwärtigen Computer.

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In eigener Sache

Ab September 2012 werde ich für einige Wochen von Kopenhagen aus arbeiten. Ermöglicht wird das durch das Stipendium der Internationalen Journalisten-Programme. Ich freue mich sehr darauf, spannende Geschichten aus Dänemark und der Öresund-Region aufzuschreiben.

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Zimmer frei

In vielen Hochschulstädten wird es eng auf dem Wohnungsmarkt, gerade zum Semesterstart. So klappt es trotzdem mit einer Unterkunft. Plus: Überlebenstipps für die erste WG

von Lisa Srikiow

Wo wird es eng? 

In traditionellen Uni-Städten, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, aber auch in Großstädten wie Frankfurt, München, Köln und Hamburg. Selbst in Berlin, wo die Lage im vergangenen Jahr noch entspannt war, werden die freien Zimmer knapper. Besser sieht es dagegen im Osten Deutschlands aus, etwa in Leipzig, Erfurt oder Dresden.

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Erschienen im ZEIT Studienführer 2012/13

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Wie Unis testen

Manche Hochschulen laden Bewerber zu Prüfung oder Auswahlgespräch. Womit man rechnen muss

von Lisa Srikiow

Wird die Diskussion um die Ökosteuer nun angefeuert, angekurbelt oder angeheizt? Wer an der Universität Lüneburg studieren will, kann seine Chancen verbessern, indem er Fragen wie diese richtig beantwortet. Seit 2008 gibt es dort einen sogenannten freiwilligen Studierfähigkeitstest: Er dauert ungefähr drei Stunden und prüft neben dem Sprachgebrauch auch, ob die Bewerber in der Lage sind, Zusammenhänge zu analysieren und logische Schlussfolgerungen zu ziehen. So sammeln sie wertvolle Punkte im Wettbewerb um den Studienplatz.

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Erschienen im ZEIT Studienführer 2012/13

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„Leben ist ziemlich schwierig“

Der Moderator Jürgen Domian hat in Köln studiert. In seiner alten Mensa spricht er über Voyeurismus und seine Bulimie-Erkrankung

von Lisa Srikiow

Es ist schon dunkel, als Jürgen Domian, 53, die Kölner Mensa betritt. In der Cafeteria wird das Abendessen ausgegeben. Domian ist gerade erst aufgestanden. Seit siebzehn Jahren ist er der Late-Night-Kummerkasten im WDR. Er nimmt nur ein belegtes Brötchen und stellt sich in die Warteschlange.

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Erschienen in ZEIT Campus,

Ausgabe Nr.  3/2012

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Akademische Nesthäkchen

Die Zahl minderjähriger Studenten steigt. Sind die Hochschulen darauf vorbereitet?

von Lisa Srikiow

Die sagenhafte Freiheit der Studienzeit kann Sören Damm noch nicht genießen, obwohl er doch schon seit einigen Monaten zur Uni geht. Schon bei den Vorlesungen und Seminaren fangen die Einschränkungen an.

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Erschienen in der ZEIT, am 8. September 2011, Nr. 37/2011.

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Klassenzimmer ohne Aussicht

Ein neues Gesetz soll integrierten Jugendlichen zum Bleiberecht verhelfen. Doch vielen nützt die Regelung nichts

von Lisa Srikiow

Sieben schlechte Jahre haben Saljana Pavlovic, 18 Jahre, und ihre Schwester Marija, 15 Jahre, in Serbien gelebt. Sieben Jahre, in denen die Mädchen gerne in die Schule gegangen wären. Stattdessen arbeiteten sie mit ihrer  Familie auf den Feldern nahe Belgrad als Erntehelfer. Zum Unterricht wurden sie nicht zugelassen, weil sie kein Serbisch sprachen und sich niemand für ihr Schicksal interessierte.

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Erschienen in der ZEIT, am 8. September 2011, Nr. 37/2011.

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Die Worte bleiben stecken

Felix stottert. Er ist trotzdem ein guter Schüler und fühlt sich wohl in seiner Klasse – das liegt auch an seiner Therapeutin.

von Lisa Srikiow

Telefoniert man kurz mit Felix, fällt einem nichts auf. Sitzt man dem Vierzehnjährigen gegenüber und unterhält sich etwas länger mit ihm, passiert es: Dann wollen bei Felix die Wörter nicht mehr kommen, dann fängt er an zu stottern. »Es fühlt sich so an, also ob ich laufe und plötzlich in der Bewegung stehen bleibe. Ich komme nicht mehr vorwärts«, erklärt er. Felix fing vor acht Jahren an zu stottern. Erst leicht, dann wurde es stärker. »Ich habe mir viele Sorgen gemacht. Vor allem, als er eingeschult wurde«, erinnert sich Felix’ Mutter, Elke Döring. Denn egal, wie alt die Kinder sind oder wie intensiv das Stottern ist, durch die Schule müssen sie alle – und die ist gerade für Stotterer eine besondere Hürde.

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Erschienen in der ZEIT, am 11. November 2010, Nr. 46/2011

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