„Auch Friede hungerte“

Der Brite Harry Leslie Smith sah seine spätere Frau erstmals 1945 auf einem Hamburger Schwarzmarkt. Ein Gespräch über die Liebe – und das Mitgefühl der Deutschen.

Erschienen bei ZEIT Online, am 13. Oktober 2015.

ZEIT ONLINE: Herr Smith, Sie sind 1945 kurz nach Kriegsende als britischer Soldat nach Hamburg gekommen und haben dort ihre deutsche Ehefrau kennengelernt. Wo sind Sie ihr erstmals begegnet?

Harry Leslie Smith: Eines Tages im August lief ich über den Schwarzmarkt von Fuhlsbüttel. Ich beobachtete, wie die Menschen ihre persönlichen Sachen tauschten: Tafelsilber gegen Zigaretten und Kaffee, das war die einzige Währung damals. Dort sah ich Friede zum ersten Mal. Mir war gleich klar: Ich muss dieses Mädchen kennenlernen. Also lief ich ihr hinterher und fragte, ob ich ihre Einkaufstüten tragen dürfe, so machte man das damals. Und ich durfte. Diese Begegnung auf der Langenhorner Chaussee hat mein Leben verändert.

ZEIT ONLINE: Inwiefern?

Smith: Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich so etwas wie eine Zukunft für mich. Sie müssen wissen, dass meine Aussichten in England ziemlich düster waren. In meiner Heimat gab es nichts außer Arbeitslosigkeit und Not. Krankenversorgung, Schulbesuch – das alles war nur etwas für die wohlhabenden Schichten. Ich dagegen stammte aus der Arbeiterklasse, mit sieben Jahren hatte man mich aus der Schule genommen, damit ich Geld verdiente. Doch Friede gab mir Hoffnung, dass ich mehr erreichen könnte. Nun ist es 15 Jahre her, dass ich sie verloren habe. Sie starb 1999 an Krebs. Ein schrecklicher Verlust für mich.

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