Kurswechsel

Kurswechsel_kurz

Erschienen in „ZEIT Spezial: Mein Job, mein Leben“ (Oktober 2015)

Wer im Job unzufrieden ist, sieht in einem kompletten Neustart oft den einzigen Ausweg. Doch der Eindruck täuscht. Kleine Veränderungen bringen oft mehr.

anche Momente vergisst man nie. Für Sebastian Guggolz ist es der Tag, an dem er sein erstes, selbst verlegtes Buch in den Händen hielt. »Das Gefühl, etwas Bleibendes geschaffen zu haben, war unbezahlbar«, sagt Guggolz. Zuvor hatte er sechs Jahre lang als fest an- gestellter Lektor gearbeitet. Diese Sicherheit gab er auf, um sich mit einem eigenen

kleinen Verlag selbstständig zu machen. Für viele Menschen klingt ein beruf- licher Neustart nach Aufbruch, Chancen und Abenteuer. Wer möchte nicht so einen Moment wie Guggolz erleben? Je drastischer dabei der Jobwechsel, desto vielversprechen- der scheinen die Aussichten auf Erfüllung: Der Unternehmensberater, der als Winzer sein Glück fand, der Anwalt, der in die Entwicklungshilfe ging, die Managerin, die ihr eigenes Café eröffnete – solche Geschich-

ten liest und hört man immer wieder.
Die Realität sieht jedoch anders aus: Tatsächlich sind deutsche Arbeitnehmer recht zögerlich, den Beruf zu wechseln. Nur 3,5 Prozent wagen einen solchen Schritt, das zeigte eine Langzeituntersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsfor- schung von 2012. Dabei sind keineswegs alle zufrieden in ihrem Job. 70 Prozent der Beschäftigen spüren ihrer Arbeit gegenüber keine echte Verpflichtung und bezeichnen sich als »unengagiert«. 15 Prozent finden gar die Atmosphäre in ihrer Firma schlecht und können sich nicht mit ihrer Arbeit identifizieren. Das zeigte eine Studie des Gallup-Instituts aus dem vergangenen Jahr. Viele sind frustriert, aber trotzdem nicht bereit, etwas zu ändern. Was also kann man tun, um seine Situation zu verbessern, ohne sich gleich einen komplett neuen Beruf suchen zu müssen?

(Gekürzte Version)

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