Retten, was zu retten ist

Insider_Syrien

Erschienen in NATIONAL GEOGRAPHIC Deutschland 7/2015

Die Archäologin und gebürtige Syrerin Salam Al Kuntar, 41, versucht, die antiken Stätten ihrer Heimat zu bewahren – trotz der andauernden Kämpfe. Die National Geographic Society fördert sie dabei und nahm Salam Al Kuntar als Emerging Explorer in ihr Nachwuchsforscher-Programm auf. 

In Syrien und im Irak richtet sich der Terror des „Islamischen Staats“ nicht nur gegen Menschen, sondern auch gegen Kulturstätten. Wie erklären Sie sich die Zerstörungswut? 
Der IS führt einen Medienkrieg gegen den Westen. Die Bilder von gesprengten Tempeln sind Kalkül, genau wie die Filme von Enthauptungen. Je schockierender sie sind, desto mehr Ängste schürt der IS. Darum äußere ich mich ungern öffentlich dazu. Natürlich muss man darüber berichten, aber ich fürchte, die Empörung kann weitere Taten provozieren.

Wie können Sie den Schaden wenigstens etwas begrenzen?
Meine Kollegen und ich ergänzen die Rote Liste gefährdeter Kulturgüter und dokumentieren die Zerstörungen und Plünderungen. Wenn Schmuggler versuchen, gestohlene Artefakte zu verkaufen, können Ermittler sie so besser identifizieren. Außerdem leisten wir „Erste Hilfe“: Zum Beispiel decken wir die antiken Mosaike mit Sandsäcken ab, um sie vor Bomben- oder Granateinschlägen zu schützen. Viele Stätten sind zudem untertunnelt, da es dort Grabanlagen gibt. Diese unterirdischen Gänge müssen wir besser befestigen, damit die Monumente darüber bei Beschuss nicht einstürzen.

Sind Sie selbst vor Ort, um zu helfen? 
Ich war im August im Irak und in der Türkei, um Helfer für diese Notfallmaßnahmen auszubilden. Außerdem halte ich über Satellitentelefon Kontakt zu meinen Kollegen in Syrien. Bis die syrisch-türkische Grenze geschlossen wurde, haben wir uns auch in der Türkei getroffen, um Projekte zu koordinieren. Dies ist heute zu riskant: Meine Kollegen würden sich in Lebensgefahr begeben, wenn sie versuchten, die Grenze zu überqueren.

(Gekürzte Version)

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