Reden wir über Geld

 

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Erschienen in NATIONAL GEOGRAPHIC Deutschland 7/2015

Viele Kommunen und Institutionen sprechen sich für Klimaschutz aus – und investieren gleichzeitig in fossile Energiekonzerne. Damit soll Schluss sein, fordert die Klima-Aktivistin Tine Langkamp. Sie engagiert sich für Divestment. 

Tine Langkamp weiß, wie sie sich Gehör verschafft. Lange Zeit hatte die Universität Münster die 30-Jährige und ihre Mitstreiter ignoriert. Bis sie, als Kellner verkleidet, auf dem Sommerfest der Hochschule als „Häppchen“ getarnte Kohlebriketts und „Erdöl-Drinks“ aus Sojasoße verteilten.

Langkamp ist Klima-Aktivistin und fordert, dass öffentliche Institutionen wie die Universität Münster ihre Rücklagen nicht länger in klimaschädliche Unternehmen investieren. Divestment nennt sich diese Strategie: Sich von Anteilen an Unternehmen trennen, die man für ethisch fragwürdig hält. Langkamp ließ die Idee nicht mehr los, seit sie vor knapp drei Jahren ein Praktikum bei der amerikanischen Nichtregierungsorganisation „350“ machte. Deren Gründer Bill McKibben ist in den USA ein bekannter Umweltschützer. Im vergangenen Jahr bekam er den Alternativen Nobelpreis.

Heute arbeitet Langkamp als Deutschland-Koordinatorin für
 350, dessen Name sich von der
geforderten Obergrenze der Kohlenstoffdioxid-Konzentration in
der Erdatmosphäre (350 Teilchen
pro Million) herleitet. Ihre Aufgabe: Divestment hierzulande bekannt machen. „In jedem Ort gibt es öffentliche Institutionen. Sie alle verfügen über Kapital, das in Aktien, Fonds oder Wertpapieren angelegt ist, auch Universitäten“, sagt sie. In 16 Städten, darunter Tübingen, Freiburg und Berlin, existieren mittlerweile Gruppen, die sich diese Anlagen genau anschauen. „Studenten identifizieren sich mit ihrer Uni, Bürger mit ihrer Stadt, Gemeindemitglieder mit ihrer Kirche“, sagt Langkamp. „Viele möchten nicht, dass in ihrem Namen fossile Brennstoffenergie finanziert wird.“

(Gekürzte Version)

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